
Auf seinen Expeditionen ins Hochgebirge in den 1770er Jahren fertigte Caspar Wolf in der Regel kleinformatige, auf Karton gemalte Ölskizzen an. Später übertrug er sie im Atelier in Bern in seine sorgfältig ausgeführten Leinwandbilder.
Die Ölskizzen gelten unter KunstliebhaberInnen und auch bei Kunstschaffenden als heimliche Favoriten im Œuvre von Caspar Wolf. Im ihrem freien Duktus und der summarischen Darstellung der Landschaft scheinen sie spätere Kunstströmungen wie etwa den erst um 1860 einsetzenden Impressionismus oder gar die frühen abstrakten Tendenzen der Kunst des 20. Jahrhundert vorwegzunehmen.
Das Museum Caspar Wolf durfte kürzlich einen spektakulären Neuzugang verzeichnen: eine Dauerleihgabe aus Privatbesitz von 12 Ölskizzen von Caspar Wolf und zusätzlich eine vom Wolf-Biografen Willi Raeber besonders gewürdigte Hochgebirgslandschaft in Öl auf Leinwand mit einem aussergewöhnlich detailreichem Selbstbildnis des Künstlers in der Staffage.
Die Werke werden ab November 2024 für ein Jahr in einer Sonderschau im Caspar Wolf präsentiert. Die Kabinettausstellung erlaubt einen spannenden und einzigartigen Einblick in das Produkt, welches ganz am Anfang des vielfältigen künstlerischen Werkprozess des berühmten Pioniers der Alpenmalerei steht und zum Ruhm des Murianer Malers beiträgt.
Ausstellung kuratiert von Peter Fischer
Im Zentrum der neuen Wechselausstellung im Kachelofenzimmer des Museum Caspar Wolf stehen eine Neuerwerbung und zwei neue Dauerleihgaben von Gemälden von Caspar Wolf. Sie zeigen drei ganz unterschiedliche Facetten des Murianer Ausnahmekünstlers: Den Abschluss seines frühen Schaffens unter dem Einfluss des Barock und des Rokoko im Kontext der Kunstszene in Paris um 1769, seine Pionierleistung für die Alpenmalerei sowie schliesslich seine Bedeutung hinsichtlich der Bildproduktion für die Bedürfnisse des im späten 18. Jahrhundert aufkommenden Tourismus. Wir präsentieren die drei Gemälde und erhellen ihre Kontexte mit weiteren Originalen und Dokumenten.
Vernissage
Samstag 3. Juni, 14.00 Uhr
Einführung in die Ausstellung durch den Kurator Peter Fischer mit anschliessendem Umtrunk




Esther Armrein/ Rosângela de Andrade, Steinhart (Keramik)

Caspar Wolf, Drachenhöhle bei Stans

George Steinmann, Blues for the Glaciers, Symbioses of Responsibility 2015. Foto: Tabea Reusser
Caspar Wolf, Engstlensee mit Jochpass, Titlis und Wendenstöcken

Caspar Wolf, La grosse pierre

Monika Müller, Gotthardluft


Andrina Jörg, Paranatur Gletsch

Georg Aerni; Grimsel

Brigitt Bürgi, Wolfsaugen

Jeroen Geel, Wolfs Tobel

Victorine Müller, Felswesen

Bruno Müller-Meyer, Schöllenen

Sadhyo Niederberger, Reading Caspar Wolf

Moritz Hossli, Periglazial

Nina Steinemann, Hospental

Caspar Wolf, Teufelsbrücke

Chantal Quéhen, Drachenhöhle

Véronique Zussau; Schwarzspiegel
"Im Reusstal, wo ich aufgewachsen bin, gehören die Berge zur Kulisse des Alltags. Heute bin ich von diesem Anblick regelmässig überwältigt, als Kind war er normal. Nur an besonderen Föhntagen, dann, wenn die Alten über Kopfschmerzen und «Gsüchti» klagten, rückte das Alpenpanorama näher und schien zum Greifen nah."
Was verbindet uns heute mit dem künstlerischen Werk Caspar Wolfs? Wie hat sich unser Verhältnis zum Alpenraum verändert? Wer war Caspar Wolf? Wie hat er getickt, woran hat er sich abgearbeitet, welches war sein Elixier, was sein Geheimnis? Was erzählten seine Bilder damals und wie lesen wir sie heute? Das sind Fragen, mit welchen sich die 20 Kunstschaffenden auseinandersetzen.
READING CASPAR WOLF integriert Erfahrungen, Kommentare und Artefakte der GRAND TOUR - Beteiligten. Das Archiv wächst in alle Richtungen, tönt (WHISPERING / Sounddesign Christian Kuntner) und gibt ab und zu den Inhalt einer Archivmappe frei.




Schlaglicht 3: Souvenirs
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts werden die Berge, insbesondere die Schweizer Alpen, zum Mittelpunkt eines neuen Interesses am Alpinismus und zum begehrten Bildmotiv. Die steigende Nachfrage des aufkommenden Tourismus nach Landschaftsdarstellungen wird in der Schweiz von Kleinmeistern wie Johann Ludwig Aberli, Gabriel Lory d. Ä., oder Niklaus Sprünglin bewältigt.
Das Museum Caspar Wolf gedenkt zu seiner Eröffnung einigen Persönlichkeiten, die für die Verbreitung des Werks von Caspar Wolf einen wichtigen Beitrag geleistet haben.
So widmet sich die erste Wechselausstellung dem Murianer Kunsthistoriker und Galeristen Willi Raeber (1897–1976). Dessen Forschungen führen 1939 zum Auffinden vieler Werke Caspar Wolfs im holländischen Schloss Keukenhof und nach dem Krieg zur Wiederentdeckung des Künstlers. Raeber verfasst einen Werkkatalog, der 1979 vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft herausgegeben wird. Zur besseren Bekanntheit Caspar Wolfs tragen auch Ausstellungen in Aarau (1948), Basel (1980, 2014/15) und Düsseldorf (2009) bei. Sie bringen den hohen Stellenwert von Caspar Wolfs Schaffen für die Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts ins Bewusstsein der europäischen Kunstgeschichte.
Willi Raebers Neffe, Josef Raeber (1923–2012), setzt sich für eine Caspar Wolf-Ausstellung an seinem Geburtsort ein. 1969 ist er Mitbegründer der Kulturstiftung St. Martin (seit 2011 Stiftung Murikultur). 1981 kann im ehemaligen Refektorium des Klosters Muri und ab 1997 im Gewölbekeller des Singisenflügels Muri ein Caspar Wolf Kabinett eingerichtet werden. Es ist das Verdienst weiterer engagierter Murianer wie Paul Beuchat, oder Martin Allemann, dass sich die Stiftung Murikultur heute einer der weltbesten Sammlungen von Werken von Caspar Wolf rühmen kann. Mit der Einweihung des Museum Caspar Wolf im April 2019 erfüllt sich nun ein lang gehegter Wunsch, nämlich dass der berühmteste Sohn Muris eine seiner Bedeutung angemessene Würdigung erhält.