Pablo Ziegler & Quique Sinesi (RA)

guest Walter Castro

Sonntag, 19. März 2017, 20:30 - im Pflegidach, Muri
Pablo Ziegler & Quique Sinesi Gast Walter Castro    

Pablo Ziegler, Quique Sinesi und Walter Castro  stellen ihre neue CD "Desperate Dance" vor.
Die CD besteht vorwiegend aus Neukompositionen von Pablo Ziegler, mit neuen Rhythmen wie dem Malambo, der aus der argentinischen Folklore stammt und sich von den altbekannten Rhythmen des Tango verabschiedet, sowie mit Kompositionen und Arrangements, die stärker in den Jazzbereich hineinreichen. Hier sei die Hommage an John McLaughlins legendäres Mahavishnu Orchestra genannt, dem das Stück Mahavishnu Tango gewidmet ist. Die spannende Weiterentwicklung es Tango Nuevo sei allen Aficionados ans Herz gelegt!

Pablo Ziegler gilt als bedeutendster Interpret des Tango Nuevo und als legitimer Nachfolger Astor Piazzollas. Bereits mit 14 Jahren spielte er in unterschiedlichen Jazzformationen. In jungen Jahren komponierte er für Musical, TV und Kino und gründete sein erstes Terzett, das klassische Musik mit Jazz Arrangements verband. Von 1978 bis 1989 arbeitete Pablo Ziegler kontinuierlich mit Astor Piazzolla als Pianist und Arrangeur und sorgte für die musikalische Dynamik, um derentwillen ihn Piazzolla in sein Quintett geholt hatte. 
Nach der schweren Erkrankung Piazzollas baute Pablo Ziegler das Quintet for New Tango auf, das bei Presse und Publikum große Erfolge feierte. Es folgten Aufnahmen und Konzerte mit u.a. Milva und Gary Burton, Paquito D´Rivera, James Carter, Joe Lovano, Emmanuel Ax, dem Orpheus Chamber Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra of London, sowie Auszeichnungen für seine musikalischen und kompositorischen Leistungen in New York, New Orleans und Buenos Aires. In den letzten Jahren hat er seinen musikalischen Stil permanent weiterentwickelt und gilt als Wegweiser für viele junge Musiker. Pablo Ziegler tourte den amerikanischen Kontinent, Europa, Australien und Asien. Zahlreiche CDs wurden unter seinem Namen veröffentlicht. Neben seiner Tätigkeit als Pianist, Komponist und Arrangeur arbeitet er ebenfalls als Dirigent von großen Klangkörpern. Mit Quique Sinesi steht ihm ein Partner zur Seite, der seit seinem 17. Lebensjahr mit Dino Saluzzi und wenig später auch mit Ziegler zusammenarbeitet. Er gilt als einer der besten zeitgenössischen Gitarristen Lateinamerikas. Quique Sinesi ist auf der musikalischen Suche zwischen Tango, ethnischer Musik und Jazz und hat viel Beachtung in der Fachpresse durch sein Sologitarrenspiel, seine Kompositionen sowie sein Duo mit Charlie Mariano erhalten. In den letzten Jahren feierte Quique Sinesi mit seinen Soloprojekten insbesondere in Asien grosse Erfolge. Die beiden  Musiker werden im Duo, basierend auf ihrer intensiven langjährigen Zusammenarbeit Spielraum für Improvisationen, Dynamik und Spannung geben und neue Gesichtspunkte im Tango entwickeln. Als special guest unterstützt der argentinische Bandoneonist Walter Castro das Duo. Walter Castro hat sein Bandoneonspiel bei Osvaldo Pugliese begonnen, gilt als einer der großen Bandoneonisten Argentiniens und ist neben seiner langjährigen Arbeit mit Pablo Ziegler und Quique Sinesi u.a. mit Bands wie TangoLoco oder als Solist mit Orchestern weltweit auf Tournee.  Durch die langjährige Zusammenarbeit dieser Ausnahmemusiker entstehen atem-beraubende Läufe und Improvisationen, die immer wieder beweisen, dass dieses Niveau kaum zu übertreffen ist! Die erste CD Bajo Cero  von Ziegler/ Sinesi hat den Latin Grammy 2005 als Bestes Tango Album gewonnen. Die CD Buenos Aires Report (2007/ Saphrane, Vertrieb Sunny Moon) wurde für den Latin Grammy 2008 nominiert. Im April des Jahres 2010 hat Pablo Ziegler als musikalischer Leiter, Arrangeur, Pianist und Komponist für den Bariton Erwin Schrott gearbeitet. Sein Stück Rojotango wurde von ihm zum Neujahrskonzert in der Semperoper aufgeführt und im Fernsehen übertragen. Die CD erhielt den Echo Award 2012 als bestes Crossover Projekt Klassik Tango mit einem Hauch von Fröhlichkeit (Jazzzeitung 2005/5) Völlig zu Recht gilt Pablo Ziegler als einer der wichtigsten Vertreter des Tango, wie ihn Astor Piazolla seit den 50ern aus seiner Erstarrung erweckte und als Tango Nuevo mit neuem Leben füllte. Ziegler hat nicht nur den Altmeister jahrelang begleitet, sondern darüber hinaus seinen ganz eigenen Weg des Tango beschritten. Davon konnten sich die Zuhörer im ausverkauften Birdland drei Jahre nach dem letzten Neuburger Konzert seines Trios erneut überzeugen. Der Tango, jener um 1900 in den Vororten von Buenos Aires entstandene einzigartige argentinische Tanz im langsamen 2/4- oder 4/8-Takt, der vor Allem aus dem Wechsel von Bewegung und Verharren seinen Reiz bezieht, verbreitete sich seit 1911 von Pariser Ballsälen aus über Europa, wo er ein gut Teil zur Atmosphäre der goldenen 20er beitrug. Die Entwicklung des Tango zu einer eigenständigen konzertanten Musikform ist das Verdienst des großen argentinischen Komponisten Astor Piazolla (1921-1992). Durch die Verbindung von argentinischer Folklore mit Elementen zeitgenössisch-moderner Musik löste er den Tango von der ausschließlichen Funktion der Tanzmusik und öffnete ihn dem Konzertsaal. Pablo Ziegler pflegt Piazzollas Erbe, gibt ihm dabei sein eigenes Gepräge. Zieglers New Tango eignet bei aller Melancholie, wie sie dem Tango naturgemäß innewohnt, immer auch ein Hauch Fröhlichkeit, eine Spur melodiöser Optimismus und eine Prise in die Zukunft blickender Alltagswitz. Der „traurige Gedanke, den man tanzen kann“ bleibt so einerseits immer bei sich selbst in authentischer Unverwechselbarkeit, er öffnet sich andererseits immer wieder auch helleren Klangfarben und offener Harmonik. Hinzu kommt, dass Ziegler ein einfühlsamer und phantasievoller Improvisator ist, der mit leichter Hand eben auch die tänzerische Komponente des Tango verlebendigen kann. Seine beiden südamerikanischen Triopartner Quique Sinesi und Walter Castro tragen das Ihre dazu bei, Sinesi an der Gitarre differenzierte rhythmische Impulse und dicht perlende Läufe, Castro am Bandoneon jene mal zögerlichen mal schwungvollen melodiösen Bewegungen, die dem Tango seinen typischen Sound verleihen und wesentlich seinen Empfindungsreichtum vermitteln, der die letzte Einsamkeit des Menschen angesichts seines Schicksals nie ganz zu leugnen vermag.