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Musig im Ochsen
Feigenwinter 3 Instrumental Songs
Sonntag, 13. Mai 2007, 21:00 Uhr
Hans Feigenwinter: Klavier/fontfamily> Wolfgang Zwiauer: Bassgitarre/fontfamily> Arno Troxler: Schlagzeug/fontfamily>
Seit ich Musik mache, fahre ich auf mehreren Strassen nebeneinander. Auf einer ist Improvisation mehr gewichtet, auf einer anderen Komposition, weitere legen den Schwerpunkt auf Elektronik oder grosse Ensembles. /fontfamily> Zentral ist für mich seit Beginn aber jene Strasse, auf der ich eigene Stücke in einer improvisierenden Kleinformation entwickle. Seit meiner ersten Trioplatte „Lift" wurde das Material hierfür immer breiter und komplexer, wodurch auch die Bands ständig etwas grösser wurden. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit Wolfgang Zwiauer eine grosse Rolle. Er hat die Musik mit seinen genauso stützenden wie wunderbar beweglichen Basslinien ständig mitgeformt. Erst vor kurzen kamen wir mit Arno Troxler zusammen, ein Erfinder von ebensolchen Beats, ein Poet am Schlagzeug./fontfamily> Mehrstimmigkeit und Texturen wurden in meinem Spiel in den letzten zehn Jahren immer wichtiger. Sowohl Troxler wie Zwiauer sind orchestrale Spieler. So haben wir entdeckt, dass sich das gewünschte Klangbild auch in einer Kleinstformation realisieren lässt. Mit Musik, die sich räumlich immer mehr ausgedehnt hat, kehren wir nun zurück zum Trio. Die drei Parteien greifen ineinander und lösen sich so mitunter auch im Gesamtklang auf. Die Kompositionen, teils einfachste, eingängigste Instrumentalsongs, teils zu mehrschichtigen Gebilden verwoben, bestimmen klar den Charakter der Stücke und ermöglichen so den freien improvisatorischen Umgang mit ihnen. Ausgedehnte Formen kontrastieren mit kurzen Schlaufen, so dass die Zeit sowohl in ihrer Weite wie auch im Moment intensiv gehört werden kann. Der Basler Jazzpianist Hans Feigenwinter, 1965 geboren, kam zum Jazz, nachdem er zuerst in Popbands gespielt hatte. Er studierte an der Swiss Jazz School in Bern und unterrichtet heute selber an der Jazzschule Basel, die seit zwei Jahren in die Musik-Akademie integriert ist. Im Rahmen des Europäischen Musikmonats erhielt er einen Kompositionsauftrag, der am 27. April in Basel zur Uraufführung kommen wird. Wir befragten ihn über seine künstlerischen Erfahrungen und Ziele. BaZ: Wem die Musik der jüngeren Schweizer Jazzszene einigermassen vertraut ist, dem fällt auf, dass sich kaum jemand mit den Kompositionen des «Great American Song Book» auseinander setzt. Sie sind von den jüngeren Jazzpianisten meines Wissens der Erste, der den amerikanischen Jazzkomponisten wie Gershwin, Rodgers & Hammerstein, Cole Porter usw. ein spezielles Album, «GAS», gewidmet hat. Was sind die Gründe für diese Wahl?
Hans Feigenwinter: Die Standards sind unsere «Stammessprache», wie es Keith Jarrett nennt, eine Sprache, die alle sprechen (auch die Laien im Jazzpublikum). Sie sind so etwas wie die Cantus firmi in der Renaissance und sie bleiben unsere Sprache, selbst wenn jeder sie individuell interpretiert. Ausserdem gibt es da ein paar aussergewöhnlich schöne Melodien, die zu spielen einfach Spass macht.
Auf Ihren bisher erschienenen CDs «In», «ZAP» und «GAS» fallen Sie als sehr vielseitiger Musiker auf, der weder Berührungsängste zu Pop noch zu ganz abstrakten Mustern im Jazz hat. Viel-seitigkeit als Lustprinzip?
Ich bin über Pop-Musik zum Jazz gekommen. Unter anderem durch die «Pat Metheny Group», in der sich Pop-Qualitäten und Improvisation vereinigen, wurde ich hellhörig auf den Jazz. Vielseitigkeit war nie mein Ehrgeiz. Mir haben ganz einfach von Anfang an die verschiedensten Einflüsse zu meinem persönlichen Stil verholfen. Rhythmus und Improvisation waren für mich schon als Kind zentrale Anreize für das Musikmachen. Wo ich diese Qualitäten vorfand, habe ich meistens aufgehorcht.
Wie ist Ihr Verhältnis zur europäischen Klassik? Spielt sie eine Rolle für den Kompositionsauftrag, den Sie im Rahmen des «Musikmonats» erhielten?
Ich habe zu Hause mit sechs Jahren mit Klavierstunden begonnen, aber die europäische Klassik hat mich erst vor acht Jahren richtig zu interessieren begonnen, zum Beispiel Joseph Haydn. Von ihm habe ich beim Komponieren und Improvisieren sehr viel profitiert - in Bezug auf die Sensibilität für grosse Zeiträume. Ich habe beim Improvisie-ren jetzt formal ein viel ausgeprägteres Bewusstsein. Der Kompositionsauftrag ist für ein grösseres Orchester - weder für ein Sinfonieorchester noch für eine Big Band. Klarinette, Fagott, Bass und Schlagzeug sowie ein Posaunensatz spielen darin eine wichtige Rolle, neben Einzelstimmen. Mich interessiert es, die Intimität einer improvisierenden Kleinformation mit dem Grossorchestralen zu vereinen. Die Stücke sind mehrstimmig gedacht und orchestriert. Manche hatte ich schon vor längerer Zeit komponiert, und ich konnte es kaum erwarten, sie einmal aufzuführen.
Sie haben letztes Jahr in der Schweiz auf einer Tournee zusammen mit Joe Lovano gespielt und gelten als einer der vielversprechendsten Jazzpianisten der Schweiz, wenn nicht gar Europas, sicher auch deshalb, weil Sie die linke Hand «emanzipiert» haben und nicht bloss zur Begleitung einsetzen, wie das traditionellerweise im Jazz der Fall war. Sind Schweizer Jazzer generell unterschätzt?
Es war eine spannende Tournee-Woche mit Joe Lovano. Was mich är-gert, ist diese US-Hörigkeit, die man vielerorts wahrnimmt. Musiker und Fans erwarten nicht, dass aus der Schweiz etwas Interessantes kommt. Es geht mir nicht um «europäische Identität», die sich von der amerikanischen oder irgendeiner anderen bewusst absetzen soll. Wir sollten aber unsere musikalische Umgebung ernst nehmen und nicht jeweils fragen, ob die toten Afro-Amerikaner mit einer Idee nun einverstanden wären. Es wäre zum Beispiel interessant, die Schweizer Volkslieder zu integrieren, wenn man sie kennt. Es freut mich, wenn Musiker in ihre Kunst das mit einbeziehen, was sie geprägt hat und umgibt. In meinem Fall war das aber keine traditionelle Volksmusik, sondern das Autoradio, da ich nicht wirklich auf dem Land, sondern in den grauen Vororten aufgewachsen bin.
Wie bestreitet man in der Schweiz sein Leben als Jazzmusiker?
Ich bin Lehrer an der Basler und Luzerner Musik-Akademie (Rhythmik, Klavier, Analyse, Ensemblespiel). Das ist eine interessante Arbeit, weil man seine persönlichen Forschungen mit einbringen kann. Es bleibt dabei Zeit für eigene Komposition und zum Üben.
Haben Sie musikalische Vorbilder?
Als ich anfing, war ich ganz verrückt nach Keith Jarrett, Pat Metheny und Herbie Hancock. Um dahin zu kommen, wohin ich jetzt will, habe ich genug eigene Vorstellungen. /fontfamily>
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