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Murianer Museen

Caspar Wolf - vom Rokoko - zum vorromantischen Landschaftsmaler
30 Jahre Caspar Wolf Kabinett (1981 - 2011)


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Jubiläums-Ausstellung vom 19. März 2011 - 28. Februar 2012

Überblickt man das aus nicht einmal ganz 25 Jahren Schaffenszeit bekannte Werk Wolfs, von den frühen Rokokolandschaften mit dem Tobel von Muri über die von Vernet und Loutherbourg geprägten Seesturm- und Felslandschaftsbilder bis zu den inneren und äusseren Höhepunkten in den Gemälden und Ölstudien für die Galerie der schweizerischen Alpenlandschaften, so fällt Wolfs durchgehende Assimilationsfähigkeit von jeweils neuen Bildthemen auf. Seine Frische und Unvoreingenommenheit, mit der er Fels, Gletschereis und stiebendes Wasser mit hohem malerischem Können zum alleineinigen Bildthema erhebt, sein kühner Gang in die dunkle Höhle,  das ist, in dieser seltenen Stimmigkeit und Balance, vielleicht wirklich nur in diesem späten 18. Jahrhundert , dem «siècle lumière», möglich gewesen.

Vierzehnjährig nur rückt der junge Wolf mittelbar in den weiteren Umkreis des grössten Vertreters des expressiven Rokoko im Bodenseeraum, nämlich Franz Joseph Spieglers, der zur Zeit von Wolfs Kindheit Altarblätter für die Klosterkirche von Muri gemalt hatte.

Die Kunst der Rocaille wird, auch auf versteckte Weise, für Wolfs Landschaften von Belang. Doch für Wolfs künstlerische Entwicklung relevant ist der erste Pariser Aufenthalt von 1769-1771. Er fällt mitten in die für die Entwicklung der vorromantischen Landschaftsmalerei so wichtigen 1760er-70er Jahre. Es sind die Jahre der Konjunktion der neu gepflegten realistischen Landschaftsaufnahme, mit neu einer Potenzierung der Landschaft für die Darstellung der von geheimnisvollen inneren Kräften bewegten und geformten Natur an sich.

Das Thema der Alpenlandschaft selbst, dem sich Wolf nach seiner Rückkehr aus Paris in Zeichnungen, Studien und Gemälden schrittweise näherte, bis es 1774 mit dem Auftrag des Berner Verlegers Abraham Wagner den zentralen Platz in seinem Schaffen einnahm, fällt in diese  Jahrzehnten der  realistischen Landschaftsaufnahme.

Wolfs grosse Zeit, die Epoche der Alpenlandschaften, setzte also erst nach seiner Rückreise aus Paris 1771 und nach einer Übergangszeit von etwa anderthalb Jahren ein, während denen Elemente seines vorfranzösischen Stils und Elemente seiner französischen Erfahrung teils nebeneinander, teils vermischt auftreten. Die bedeutendste Darstellung der schweizerischen Alpenlandschaft in der Malerei des 18. Jahrhunderts und die hervorragendste Leistung der schweizerischen Landschaftsmalerei bis weit ins 19. Jahrhundert hinein sind also mitgetragen vom Impuls der französischen Malerei.

Das «Vorromantische»  in Wolfs Malerei und Zeichnung liegt nicht nur an den einzelnen Romantizismen, die in ihren Wurzeln weit ins 17. Jahrhundert zurückgehen und an denen im übrigen das ganze  18. Jahrhundert reich ist, sondern auch an den «romantischen» Fels-, Wald- und Wasserlandschaften seiner Frühzeit zum Beispiel, in denen das Wilde, Ausser-Zivilisatorische, das Geheimnisvolle und das Ausserordentliche betont wird.

Wolf bleibt aber nicht bei dieser rhetorischen Verherrlichung der wilden und unberührten Natur stehen. Er ist  fähig  zum tatsächlichen Hinausgehen, zur körperlich erfahrenen Kraft zum Aufbruch, zum Aufspüren der inneren, geheimnisvoll bewegten Gestalt der Natur selbst, ja zur Potenzierung der Natur. Das ist das Agens, das die einzelnen Romantizismen zu etwas Neuem verschmilzt. Dass dieses Neue noch mit der Kühle und der Rationalität des 18. Jahrhunderts in Bildform umgesetzt wird, das ist ein Kennzeichen der Vorromantik.

In der Spätphase von Wolfs Alpenmalerei steht dieser Rationalisierung des Landschaftsraumes durch Artefakten eine auffallende Entleerung des Bildraumes gegenüber, ein Zug zum Realismus des 19. Jahrhunderts.

Jetzt, in der Spätzeit, sind es natürlicherweise vor allem die von einem erhöhten Punkt aus aufgenommenen Überschaulandschaften, die zum Leer-Werden und zu flächig zusammenfassender Vereinfachung neigen.

Die Verabsolutierung der Gebirgsnatur in den späten Alpenbildern Wolfs führt auf einen Weg, der sich im frühen 19. Jahrhundert teilen wird: In der Konsequenz des einen Astes steht Caspar David Friedrich (1774-1840), wo die Berge zum Symbol des Jenseitigen werden, längs des anderen Astes reihen sich die Calame, Zünd und Koller bis zu Ferdinand Hodler (1853-1918).

 

 

Bildlegende :

 

·    Landschaft mit Heiliger Familie, Rast auf der Flucht nach Ägypten

            Öl auf Leinwand

·    « Ruisseau de Miren dans le Val de Lauterbrunnen dans le Canton de Berne »

            Gouache über schwach geätztem Probeabzug auf Halbkarton   aufgezogen

·    Die Bachalp oberhalb Grindelwald

            Öl auf Leinwand

 

 

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